Die Jungfrau Maleen
Nach dem Märchen der Gebrüder Grimm
Helma Sanders-Brahms, Karine Saporta
Uraufführung am 7. Februar 2008
Festspielhaus Hellerau, Dresden
weitere Aufführungen am 08. und 09. Februar 2008
Inszenierung und Buch: Helma Sanders-Brahms (D)
Choreografie: Karine Saporta (F)
Bild- und Lichtgestaltung: Thomas Mauch (D)
Bühnenbild: Jean Bauer
Musik: Abdourahmane Diop und Griot Company
Tänzer: Susana Emanuela Beiro, David Wilde, Ofir Levy, Sophie Melis, Anne O. Poncet Staab, Daniela Maria Rod
"Die Jungfrau Maleen", jenes düstere Grimmsche Märchen, das erst in einer späteren Ausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" auftaucht, erzählt eine Geschichte, deren Bilder uns Heutigen näher sind als die von Hexenhäusern im Wald und verwunschenen Schlössern zwischen Rosenhecken. Es geht um Krieg, um Einsamkeit und unerfüllte Liebe, um Verlust der Identität, um Vergessen und Erinnern. Zwei Liebende werden gewaltsam getrennt, die Jungfrau in einen Turm gesperrt. Als sie sich nach sieben Jahren selbst befreit, findet sie draußen ein vom Krieg verwüstetes Land vor. Nach langer Wanderschaft gerät sie an ein Schloss, in dem eine Hochzeit vorbereitet wird. Die Braut, ebenso böse wie hässlich, steckt die schöne Fremde in das Brautkleid, um den Bräutigam zu täuschen. Der erkennt in ihr seine einstige Geliebte und rettet sie vor der drohenden Hinrichtung. Die Liebe siegt über das Böse und den Tod. Die Bühnenadaption der bekannten Filmregisseurin Helma Sanders-Brahms verbindet die Geschichte mit der einer alten Frau (verkörpert von der großen Charakterdarstellerin Tatja Seibt), die sich in einem Altersheim, eingeschlossen und vergessen, die Geschichte der Maleen ins Gedächtnis ruft. Die französische Tänzerin und Choreografin Karine Saporta setzt Maleens Geschichte mit einem eigens für die Produktion zusammengestellten jungen Tänzerensemble choreografisch um, während Thomas Mauch, langjähriger Kameramann von Werner Herzog, für den Weg der Maleen aus dem Turm bis in den Palast filmische Bilder entwickelt hat. Die Musik von Abdourahmane Diop und seiner Company verbindet auf raffinierte Weise westliche Elemente mit afrikanischen Klängen.
Vita Helma Sanders-Brahms 
Vita Helma Sanders-Brahms
Helma Sanders-Brahms, geboren 1940, studierte Germanistik und Anglistik in Köln, hospitierte beim Rundfunk und arbeitete als Fernsehansagerin und Model. Während eines Italien-Aufenthalts lernte sie 1967 Pier Paolo Pasolini kennen und arbeitete mit ihm zusammen. Seit 1969 macht sie eigene, häufig stark autobiografisch geprägte Filme; sie schrieb fast alle Drehbücher und produzierte viele ihrer Filme selbst. Ihre ersten Filme beschäftigten sich kritisch mit der Arbeitswelt und der Situation der Frauen im Nachkriegsdeutschland. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ wurde zu einem zentralen Film der deutschen Frauenbewegung und der 68er-Bewegung. Vor allem mit „Deutschland bleiche Mutter“ wurde sie zu einer der wichtigsten, weltweit gefeierten Regisseurinnen Deutschlands. Als jüngste Spielfilme entstanden 1997 „Mein Herz – Niemandem!“, 2003 „Die Farbe der Seele“ und 2008 „Clara“, ein Film über Clara Schumann. Außerdem drehte Helma Sanders-Brahms einige Dokumentarfilme, darunter 1995 „Jetzt leben - Juden in Berlin“. Sie ist Autorin von Hörspielen und Büchern, z.B. „Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler“ (Berlin 1997). 1991 wurde ihr der Orden Chevalier des Arts et des Lettres de la France verliehen, 1992 der Preis der deutschen Autorenstiftung. Seit 1997 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Auszeichnungen für ihr Gesamtwerk erhielt sie in Spanien (1978), Japan (1994 und 1997) und Portugal (1995).
Vita Karine Saporta 
Vita Karine Saporta
Karine Saporta wurde 1948 geboren, erhielt eine Ausbildung in Klassischem Tanz und promovierte in Soziologie in Chicago. Von 1986 bis 2005 leitete sie das Centre Chorégraphique Nationaux von Caen Basse-Normandie. Seitdem realisierte sie verschiedene Projekte wie die Eröffnung eines „Laboratoriums" in Saint-Denis und eines Zentrums für ihre Company und andere Pariser Künstler. Ihre Choreografien, von extremer Langsamkeit bis hin zu vehementer Dynamik, entwickeln eine spektakuläre, kinematografische Bewegungs-Alchimie. Karine Saporta scheut dabei auch nicht den Exzess, die Übertreibung. Ihre Welt, voller weiblicher Chimären und „femmes fatales", naiver Freigeister und fliegender Madonnen, Kriegerinnen und romantischer Heldinnen, stellt paradoxerweise den Begriff der ewigen Weiblichkeit infrage. Ihre Choreografien greifen auf die Geschichte des Tanzes und der Geste zurück, um Gefundenes zu entfremden. Zirkus, Kabarett, Flamenco, volkstümliche Traditionen, Hip-Hop und klassischer Tanz, Barock oder repetetiver Minimalismus: All das hat sie in den etwa dreißig Arbeiten der vergangenen zwei Jahrzehnte einbezogen, oft, bevor es auch von anderen Choreografen aufgegriffen wurde.