Deborah Hay gastiert im Tanzquartier

Deborah Hay gastiert im Tanzquartier

Sie war Gründungsmitglied des Judson Dance Theaters und arbeitet nun als experimentelle Choreografin im Bereich des postmodernen Tanzes. Die Rede ist von Deborah Hay, die diese Woche im Tanzquartier in Wien zu Gast sein wird. Ihr Wien-Debüt feierte die damals 23-jährige Tänzerin vor 56 Jahren, damals noch mit der Merce Cunninghams Company bei deren Performance Museum Event No. 1 im Zwanz’ger Haus. Nun kehrt die mittlerweile 79-jährige Tanz-Legende nach Wien zurück.

Federleicht und intensiv

Das Stück, das ihre Fans in Wien zu sehen bekommen werden, feierte bereits letzten August in Berlin seine Uraufführung beim Festival Tanz. Der Zweiteiler mit dem Titel „Animals On The Beach & My Choreographed Body … Revisited“ wird jetzt auch im Tanzquartier Wien aufgeführt. Schon im Jahr 2010 war Deborah Hay dort zu Gast und zeigte ihr Solo-Stück „No time to fly“. Die Choreografin spielt gerne mit ihrer Stimme, das wird auch in Wien zu sehen sein. Sie wird im Stück Lieder, die ihr gerade durch den Kopf gehen, singen. Dies mit verstellter Stimme und in einer erfundenen Sprache. Ihr Tanz ist leicht, verspielt und voll poetischer Vitalität. Dafür ist sie seit Jahrzehnten berühmt.

Ein Leben für den Tanz

Hay wuchs in Brooklyn auf und erhielt bis zu ihrem 14. Lebensjahr Tanzunterricht. Nach der Hochzeit mit dem um elf Jahre älteren Künstler Alex Hay zog sie nach Manhattan und genoss die unzähligen künstlerischen Möglichkeiten der Stadt in vollen Zügen. Im Judson Dance Theater traf sie auf Persönlichkeiten wie Steve Paxton, Trisha Brown, Robert Morris, Carolee Schneeman und Yvonne Rainer. Doch wirklich glücklich wurde Deborah Hay dabei nicht. Sie fühlte sich nicht ernst genommen und zu wenig unterstützt.

Konsequent heuerte sie in Folge bei der Cunningham Company an und begab sich mit dem Ensemble auf eine ausdauernde Tournee durch Europa und Asien. Doch auch das verschaffte ihr längerfristig keine ausreichende künstlerische Befriedigung und so verließ sie Cunningham wieder. Sie ging nach Vermont. Erst im Umfeld einer Kommune konnte sie jene künstlerische Arbeit entwickeln, für die sie bis heute steht und bekannt ist. In ihren Arbeiten in den 1970er Jahren eliminierte sie gewissermaßen das Publikum, der Tanz war nur noch für die Tänzer selbst gedacht. Nach mehreren Jahren in der Kommune wollte sie selbstständig sein und Solo-Stücke entwickeln. Sie zog nach Austin in Texas, um die damals bestehende vielfältige Alternativkultur der Stadt in sich aufzunehmen. Dort gründete sie ihre eigene Company und wurde erstmals sesshaft.

Verehrt und ausgezeichnet

Erst seit ihrer Wiederentdeckung vor einer Dekade zählt Deborah Hay zur ersten Liga der Choreografen. Sie steht mit Simone Forti, Yvonne Rainer und Steve Paxton in einer Reihe, wenn es darum geht aufzuzeigen, was die Tanzbewegung in den 1960er Jahren erschaffen und erreicht hat. Im Jahr 2009 erhielt Hay einen Ehrendoktor für Tanz von der Theater-Akademie in Helsinki verliehen. 2010 gewann sie den US Artist Friends Fellowship, 2011 wurde ihr von der Foundation for Contemporary Arts in New York ein Künstlerstipendium zugesprochen. 2012 bekam sie schließlich als eine von 21 amerikanischen Künstlern für darstellende Kunst den Doris Duke Artist Award.